- Man macht Urlaub. Wir lassen schon an dieser Stelle wichtige Details weg wie: wenn man kein Geld, keine Zeit und keine Gelegenheit hat, kann man gar nicht Urlaub machen, aber, wie gesagt, um solche Nuancen scheren wir uns nun nicht.
Man reist mit dem eigenen Wagen ins Ausland. Es werden auch hier wesentliche Einzelheiten außer Acht gelassen – wie Automarke, Zustand des Vehikels und der des Fahrers. Gar nicht die Rede sein wird von Wetterverhältnissen, die im Sommer schon eine wichtige Rolle spielen können und gegen die man sich mit der serienmäßig eingebauten Klimaanlage gewappnet fühlen mag. Dem ist leider nicht so. Wird sie nämlich eingeschaltet, holt man sich im Nu eine stramme Erkältung mit Halsschmerzen – und passt man nicht auf, ist eine komplette Lungenentzündung unter Dach und Fach. Darauf wird jedoch ebenfalls nicht eingegangen.
Worauf kommt es denn dann an? – könnte der geneigte Leser fragen. Also bitte sehr! – Im Urlaub fährt man mit dem eigenen Wagen nach Nürnberg.
Und was gibt es da? Einiges auf jeden Fall. Man interessiert sich nun mal für bildende Kunst, vor allem für alte Malerei. Also möchte man sich mit dem Landsmann (par excellence) treffen, aber er lässt sich nicht einfach finden. In der Altstadt, innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer, gibt es so gut wie keine Schilder, die darauf hinweisen würden, wo er gelebt und gewirkt hatte, obwohl die halbe Welt ausgerechnet seinetwegen hierher pilgert. Nun musste man sich die Füße wundlaufen, um endlich einmal an die heilige Stätte, ein wunderschön restauriertes Fachwerkgebäude, das sowohl seine Werkstatt als auch sein Wohnhaus beherbergt, zu gelangen …
Und was konnte man über seinen ausgesprochen ungarischen Vater und sein eventuelles Ungarischkönnen erfahren? – Nichts. Das schreit zum Himmel, Freundchen! Man musste erst zu Hause extra nachlesen, um zu erfahren wo dieses Ajtós (in seiner Autobiographie „Eytas” genannt) überhaupt lag, womit sich seine Ahnen da beschäftigten und wie sie alle hießen… Jetzt ist es klar.
Nebenbei: „Ajtós” heißt auf Deutsch „Türer”.
* * * - Schon der vierte WM-Titel! Herzlichen Glückwunsch. Und vor allem zu diesem Samba-Auftritt, diesem fabelhafen, rekordverdächtigen 7:1 gegen Gastgeber Brasilien. – Apropos rekordverdächtig! Fast auf den Tag genau vor 60 Jahren gab es eine 8:3-Klatsche, allerdings in der Gruppenphase. In der zweiten Halbzeit faulte Liebrich mehrmals so brutal den Kapitän, einen der Besten der ungarischen Mannschaft (und der Welt), Puskás, dass dieser vom Platz humpeln musste (und deshalb auch im Finale nicht ganz gesund antreten konnte). Damals gab es keine Auswechselspieler, so musste Ungarn über eine halbe Stunde mit zehn Mann ausharren, erhöhte trotzdem seinen Vorsprung; die Deutschen konnten erst in den letzten 14 Minuten zwei Tore erzielen, sonst hätte es möglicherweise 8:1 oder noch schlimmer ausgehen können. In der Geschichte zählen aber keine Konjunktive…
Wie dem auch sei, wir Ungarn haben dann im Finalspiel, dem sagenumwobenen „Wunder von Bern”, wesentlich beigetragen, dass die Deutschen die international so nötige Selbstwertschätzung und Anerkennung nach 1945 wiedererlangten. Eine große Tat von einem kleinen Volk. Ich bin stolz.
Hungarian connection (Sommer 2014)
2014.07.19. 12:39 lakosgabor
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